Über dieses Projekt.

Ich fahre manchmal mit dem Rad zur Arbeit. Das sind so ungefähr 40 km hin und das Gleiche zurück. Wie ein Pendel. Die Strecke geht von Gelnhausen-Meerholz (wo ich wohne) nach Frankfurt am Main (wo ich arbeite). Sie führt durch erst das Kinzigtal und dann am Main entlang und ist ausgesprochen flach. Zehn Jahre lang, bin ich immer die gleiche Strecke gefahren, nämlich die schnellste. Schließlich wollte ich schnell zur Arbeit bzw. wieder nach Hause kommen. Und so übersah ich lange Zeit dieses Projekt.


Der Pendler, Selbstportrait
Ab und zu hielt an, um ein Foto zu machen. Zu jener Zeit machte ich gerade das Projekt Tagesbild 2014 (s. Flickr). Ich musste also ein Foto machen und oft war die Fahrt die einzige Gelegenheit, kreativ zu werden. Irgendwann war dann Tagesbild beendet und ich machte keine Fotos mehr auf dem Weg zur Arbeit.


Titelfoto aus dem Kalender-Projekt
2015 brauchte ich ein Weihnachtsgeschenk für meinen Schwager. Ich beschloss, ihm einen Montagskalender mit 12 MTB-Touren zu schenken. Jede Tour sollte aus einem GPX-Track und einem Foto für den Kalender bestehen. Da ich weder GPX-Tracks noch Fotos hatten, fuhr ich also 12 Touren und machte dabei ein paar Fotos. Den Kalender nannte ich Alles fahrbar (s. Flickr).
Dann suchte ich irgendwann nach einem neuen Projekt. Denn Fotos machen klappt bei mir nur als Projekt. Ich brauche diese konkrete Aufgabe und den Druck auf den Auslöser drücken zu müssen. Mir fiel aber nichts ein.
Zufällig sah ich in einer Zeitschrift Fotos der amerikanischen Künstlerin Benedikte Flores Ansell, welche mit kleinen Fotoplättchen großflächige Installationen macht. Die Künstlerin hatte ihre Fotos verfremdet und auf Plättchen gedruckt. Die Plättchen hatte sie mit je einem Nagel an einer großen Wand zu einer Art Kontinent zusammengestellt.
Dann stieß ich auf das Odyssee-Projekt von Annette Meyer. Sie installiert Lochkameras an Orten rund um die Welt und macht damit Extrem-Langzeitbelichtungen. Sie berichtet darüber in ihrem Blog www.annette-meyer.com.

Die Idee

Die beiden Dinge, Fotos auf Touren und die Anordnung von Fotos zu einem Gesamtwerk, möchte ich zusammenbringen. Die Plättchen brachten mich auf die Idee, Fotos nach gewissen Kriterien anzuordnen. Warum nicht nach ihrem Entstehungsort? Und durch die Kalenderaktion war meine Neugier für alternative Strecken zu meiner bewährten, schnellen Pendelstrecke geweckt.
Die Idee ist nun, zu Pendeln und dabei Fotos zu machen und diese Fotos auf einer weißen Website unter Berücksichtigung der Entstehungskoordinaten anzuordnen. Die Anordnung soll durch einen Algorithmus erfolgen, aber nicht punktgenau nach ihrer Position. Vielmehr wird die Position nur ein Parameter von mehreren sein. Was das nun genau bedeutet und wie das dann aussehen wird, weiß ich noch nicht, jetzt am Beginn. Ich werde es aber am Ende des Projekts wissen.

Die Umsetzung

Ich starte mit diesem Blog und einer leeren Seite für die Leinwand. Das gibt dem Ganzen erst mal einen Rahmen und erzeugt den nötigen Druck für kreative Ideen. Die leere Seite soll dann zur Leinwand werden. Und mit jedem Pendel kommt ein neues Foto und mit jedem Foto füllt und verändert sich das Gesamtbild. Gefällt es mir nicht, werde ich den Algorithmus für Anordnung ändern, bis es wieder passt.