Mit diesem Upcycling-Projekt wurde aus den verwitterten Dachsparren des alten Wintergartens ein Kinderhochbett geschaffen.

Die ausgedienten Dachsparren (13 x 7 und 14 x 8 cm) lagerten seit vier Jahren im Freien und waren bereits dementsprechend zum Teil verwittert, krumm und verdreht. Wir wollten sie eigentlich gerade entsorgen…
Durch Umgestaltung des Kinderzimmers wurde ein Hochbett benötigt, welches im rechten Winkel zum anderen Kinderbett unter der Dachschräge stehen sollte.

Kinderbett mit linksseitig versetzten Pfosten Kinderbett mit linksseitig versetzten Pfosten

Ausgangsmaterial sind ausrangierte Dachsparren Ausgangsmaterial sind ausrangierte Dachsparren

Es wurde schnell klar, dass es sich um eine Individualkonstruktion handelt, da die linken Pfosten versetzt sein mussten. Es wurde entschieden beide Probleme mit einer Klappe zu schlagen und das Bett aus den Balken selbst zu bauen. Nach etwas Überlegung wurde die Aufgabe wie folgt gestellt:

  • Wenig Holz zukaufen, möglichst alles aus den Dachsparren herstellen
  • Stabile Konstruktion durch Verzapfung und Einblattung, um der Belastung durch Toben standzuhalten
  • Präzise Verbindungsflächen durch Fräsen herstellen - während der Balken an sich seine ‘krumme’ Form behalten soll
  • Lösbare Verbindungen durch metrische Schrauben, Vermeidung von Holzschrauben
  • Fest montierte Leiter mit kleinem Einstieg
  • Für Matratze 190 x 90
  • Schlafhöhe ca. 1,35 m

Der Blog liefert keine Bauanleitung, sondern gibt nur die Erfahrung wieder und kann so Anregung für ähnliche Projekte geben.

Die Bauzeit erstreckte sich über mehrere Monate bis in den Winter hinein, da ich nur immer stundenweise arbeiten konnte. Als Werkstatt und Lager musste der Schuppen dienen, grobe Arbeiten wurden im Garten auf wackligen Holzböcken gemacht.

Es ergaben sich folgende Bauphasen:

  • Erstellen eines Arbeitstisches und Zukauf von Werkzeug und Zwingen
  • Entfernen aller nicht verwendbaren Balkenteile und anschließend Balken auf Länge bringen Hobeln der Oberfläche Längsteilen zur Erstellung der schmalen Bretter
  • Herstellung der Verbindungszapfen und -Flächen durch Fräsen
  • Schraublöcher bohren und Schrauben herstellen

Werkzeuge

Die wichtigsten Werkzeuge, welche zum Einsatz kamen:

  • Kapp- und Gehrungssäge
  • Elektrohobel (Bosch Elektrohobel PHO35-82C)
  • Handkreissäge (AEG)
  • Oberfräse (Bosch GOF 1250 LCE)
  • Heimwerker Bohrmaschine und mobiler Bohrständer (Black- und Decker, Wolfcraft)
  • Gewindeschneider
  • Tischspannelemente und Schraubzwingen
  • Handsäge Holz, Handsäge Metall, …

Arbeitstisch

Um die schweren und z.T. langen Balken fräsen und bohren zu können, muss ein stabiler Tisch her. Die Balken sollen per Klemmen auf dem Tisch fixiert werden können. Bei Nichtbedarf soll der Tisch nicht zu viel Platz einnehmen. Angeregt durch die Anleitung Arbeitstisch mit Lochplatte von Roberto Hoffmann auf Eigenbaukombinat.de ist eine sehr einfacher, U-förmiger Tisch erstellt worden:

  • Maße 70 x 120, Höhe 32 cm
  • Tischlerplatte 19 mm
  • Lochraster 96 mm, 20 mm Lochdurchmesser

Der Tisch ist schwer genug, dass auch seitlich ein Balken fixiert werden kann.

Arbeitstisch im Einsatz Arbeitstisch im Einsatz

Die Tischlerplatten kommen aus dem Baumarkt, ca. 80 EUR incl. Zuschnitt. Die Investition lohnt sich aber. Die Platte wird auf die beiden Seitenteile montiert und mit Holzschrauben und Holzdübeln verleimt. Innen sind die beiden Seitenteile mit zwei Holzstäben versteift.

Neben normalen Spannklemmen kommen spezielle Spannelemente für den Tisch zum Einsatz:

  • 2 Bessey BE-TW16-10-2K mit Werkbankadapter 3/4"
  • 2 Festool Schraubzwinge FSZ 120

Die Bessey-Zwingen haben sich als die besseren Zwingen erwiesen: Sie sind sehr schnell zu montieren (auch einhändig), spannen sehr fest und sind ausreichen lang. Die Festool-Zwingen sind etwas zu breit für das 20-Loch und müssen leicht eingepresst werden.

Werkzeug

Kurzer Abriss der Werkzeuge und Arbeitsmittel und deren Verwendung.

Kapp- und Gehrungssäge

Damit werden die Balken auf Länge gesägt, Nachbearbeitung erfolgt nicht. Hat man die Säge einmal auf einen rechtwinkligen Schnitt in beiden Achsen eingerichtet, ist sie dann einfach und problemlos einsetzbar.

Elektrohobel

Hier reicht ein alter Hobel mit neuen Messern aus. Damit wird die lasierte und verwitterte Oberfläche der Balken abgenommen und die Balken bekommen ihren rustikalen Touch. Vor dem Hobeln ist der Balken auf abgebrochen Schrauben und Nägel zu untersuchen, ansonsten sind die Messer schnell hinüber.

Handkreissäge

Mit Hilfe der Führungsschiene werden die Balken halbiert, um die schmalen Bretter des Geländers zu sägen.

Balken längs teilen Balken längs teilen

Der Sägeschnitt erfolgt von zwei Seiten, da das Sägeblatt nicht tief genug eintaucht:

Erster Schnitt Erster Schnitt

Oberfräse

Für das Erstellen der Zapfenlöcher und Einblattungen (Fräser: HM-Nutfräser mit Bohrschneide, D16). Für die Blindzapfenlöcher sind Frässchablonen anzufertigen (s. Youtube-Video von Heiko Rech), dafür ist eine Kopierhülse D24 hinzuzukaufen.

Anwendung der Kopierhülse für die Nut der Leitersprossen Anwendung der Kopierhülse für die Nut der Leitersprossen

Die Auflagefläche der Fräse reicht für breite Frässchablonen nicht immer aus. Abhilfe schafft ein (unfixiertes) Auflagebrett mit kleinerer Aussparung (weiß).

Schwimmendes Auflagebrett Schwimmendes Auflagebrett

Für Dübellöcher: Dübellochfräser 8mm. Für die meisten Löcher wird eine Anreißschablone erstellt und mittels Anreißnadel der Mittelpunkt auf das Werkstück übertragen. Das geht recht schnell und ist ausreichend präzise.

Schablone von einer Seite Schablone von einer Seite

Schablone von der anderen Seite Schablone von der anderen Seite

Zum Abrunden der Kanten wird ein einfacher Abrundfräser aus dem Baumarkt verwendet.

Abrundfräsen Abrundfräsen

Bohrmaschine und mobiler Bohrständer

Bohren der Löcher für die Schraubverbindungen (Schrauben und Querbolzenmutter). Die Bohrmaschine hat recht viel Spiel, da hilft der mobile Bohrständer nur bedingt. Löcher, welche durch zwei Werkstücke führen, werden immer von der Berührungsseite aus gebohrt. Das hilft, den Versatz in Grenzen zu halten. Als Bohrer kommen Holzspiral- bzw. Schlangenbohrer zum Einsatz, welche sich äußerst präzise in das Werkstück reinarbeiten.

Der mobile Bohrständer von Wolfcraft ist nicht sehr stabil und lässt sich nur bedingt genau auf 90° ausrichten, dafür ist er preiswert und ausreichend für den Verwendungszweck.

Um die Auflagefläche des Bohrständers zu vergrößern, wird dieser, für einige Arbeiten, auf einer Platte montiert.

Mobiler Bohrständer mit Brett Mobiler Bohrständer mit Brett

Bei unebenen Werkstücken wird die Platte auf Auflagehölzern oder direkt auf dem Werktisch aufgelegt.

Bohren der Durchgangslöcher Bohren der Durchgangslöcher

Die Markierung der Querbolzenmutter-Löcher erfolgt für jedes Loch individuell, um die nicht sehr präzise gebohrten Schraubenlöcher bestmöglichst zu treffen.

Anreißen des Querbolzenlochs Anreißen des Querbolzenlochs

Konstruktion

Nach dem festlegen der Eckmaße, ist eine initiale Handzeichnung erstellt worden. Details sind bei Bedarf im Laufe der Umsetzung zu fertigen.

Seitensicht Seitensicht

Jedes Teil hat eine Nummer, welche auch auf dem Werkstück steht, damit man es in der Werkstatt wiederfindet und nicht ausversehen das falsche Teil bearbeitet. Zusätzlich wird an jeder Verbindungsstelle des Werkstücks die Nummer des zu montierenden Gegenstücks geschrieben, damit nicht die falsche Seite bearbeitet wird.

Draufsicht Draufsicht

Die Zapfenverbindung ist nur durch Fräsung der Vertiefung hergestellt (15 mm), in der das Gegenwerkstück eingeführt wird, s. Schnitt C-C. Auf die Ausbildung des Zapfens ist also verzichtet worden (ist also gar keine Zapfenverbindung, oder?). Lediglich die Kanten sind abgerundet und ggf. das zapfenseitige Werkstück eingepasst.

Der kleine Pfosten für die Einstiegsluke (8) ist als gerade Einblattung mit dem vorderen Querrahmen (5) verdübelt und verleimt. Mit der Leitermontage kommen dann noch zwei Schrauben M12 hinzu, die die Verbindung zusätzlich stabilisieren.

Die Skizze zeigt den Querschnitt durch Teil 8 und 5:

Einstiegspfosten mit Leiterwange \(L1\) Einstiegspfosten mit Leiterwange (L1)

Die beiden freistehenden linken Pfosten (2) werden durch Einblattung in den Querbalken (5 bzw. 9) eingearbeitet, so dass diese die Last abnehmen können (s. Schnitt A-A). Das ist aber in Querrichtung zu instabil, so dass im Nachhinein noch eine Querlatte zwischen beiden Pfosten montiert wurde.

Stabilisierungsbrett Stabilisierungsbrett

Da nachträglich angefertigt, ist das die einzige Verbindung, welche nicht gefräst ist. Die Verstrebung ist seitlich durch angeleimte Enden in der Höhe verlängert. Hier ein Bild aus der Herstellung der Zapfenschlitze (die Löcher für die Holzdübel sind bereits vorhanden).

Zahnverzapfung Zahnverzapfung

Das Lattenrost ist gekauft und liegt auf zwei, ebenfalls gekauften, Leisten. Diese sind an den langen Querträgern verdübelt und mit Holzschrauben verschraubt.

Leiter

Ist nach Fertigstellung der Bettteile gebaut worden. Die Sprossen (L2) sind aus geviertelten 14 x 8 cm Balken hergestellt, also ca. 7 x 4 cm im Querschnitt. Die Wangen (L1) sind halbierte 13 x 7 cm Balken, also ca. 6,5 x 7.

Skizze der Leiter Skizze der Leiter

Herstellung der Sprossen:

Sprossenholz wird eingespannt Sprossenholz wird eingespannt

Auch die Sprossen sind von zwei Seiten zu sägen.

Zweite Seite sägen Zweite Seite sägen

Die Leiter ist schraubenfrei verleimt. Dazu sind Schlitze in die Wange gefräst und mit Holzdübeln verstärkt worden. Die fertige Leiter wird mit M12-Schrauben (und den bereits vorhanden langen M8-Schrauben) mit dem Bett fest verbunden.

Verschraubung

Alle Elemente des Bettrahmens sind mit M8-Schrauben verbunden, entweder mit Querlochbolzenmuttern oder, für die freistehenden Pfosten, mit Hülsenmuttern. Um die Anschaffung der Schrauben zu vereinfachen, sind diese aus Gewindestange und Hülsenmutter selbst erstellt. Zur Montage der Leiter kommen M12 Gewindestange und Hülsenmuttern zum Einsatz.

Schraubverbindungen: nur aus vier verschiedenen Teilen Schraubverbindungen: nur aus vier verschiedenen Teilen

Das Montieren der Schrauben mit den Querbolzen war anfangs nicht gut möglich. Durch das Hantieren mit Schraubendreher und Innensechskantschlüssel, sowie der Tatsache, dass die Löcher nicht sehr genau gebohrt sind, fand die Schraube nicht das Muttergewinden. Daher wird an jede Schraube einseitig ein Zapfen geschliffen, wodurch sich die Querbolzenmuttern nun selbständig ausrichtet.

Zapfen anschleifen Zapfen anschleifen

Der Zapfen ist bei der Berechnung der Schraubenlänge unbedingt zu berücksichtigen.

Die gesägte und angefaste Gewindestange ist mit dem Gewindeschneider gefügig zu machen, ansonsten lässt sich die Mutter von Hand nicht gut verschrauben.

Nachschneiden des Gewindeanfangs Nachschneiden des Gewindeanfangs

Oberfläche

Die durch Sägen und Hobeln gegebene Oberfläche soll erhalten bleiben, das Holz aber haptisch ansprechend werden. Dies wird durch folgende Arbeiten erreicht:

  1. Fräsen der Kanten mit einem Abrundfräser Durch Abrunden der Kanten werden die splittrigen Kanten geglättet und die Balken werden auch optisch viel gefälliger.

Abrunden der Kanten Abrunden der Kanten

  1. Vorschleifen der Oberfläche mit einer Tellerbürste aus Nylon, K80 Staubige Sache, sollte man besser draußen machen.

Tellerbürste Tellerbürste

Versuche mit einer Drahttellerbürste zeigten, dass dafür das Holz zu weich ist. Die Nylonbürste ist nicht billig, lohnt sich aber.

  1. Handschleifen der Oberfläche Den letzten Schliff bekommt das Holz durch Handschleifen mit Scheifvliesmatten 180.

Anschließend wird das Holz mit Arbeitsplattenöl von Auro behandelt und noch mal mit dem Schleifvlies geglättet.

Schluss

Steht wie ’ne Eins Steht wie ’ne Eins